Intra Portas
15.10.–14.11.2004
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen (zusammen mit „Ante Portas“)
KünstlerInnen: Peter Dressler, Petra Gerschner & Lisa Endriss, Wolfgang Thaler
Katalogvorwort, Petra Noll:

In den beiden Ausstellungen im Fotoforum Braunau 2004 geht es um den öffentlichen Raum. In der ersten Ausstellung „Ante Portas“ zeigte der Salzburger Künstler Farbfotografien von Außenräumen der österreichischen Städte Linz , Salzburg und Braunau. In der zweiten Ausstellung „Intra Portas“ geht es um öffentliche Innenräume.
Der öffentliche Raum ist eines der „großen“ Themen der Fotografie. Die Straßen, Plätze, Architekturen, aber auch das Innenleben der Häuser einer Stadt fotografisch darzustellen, hat zunächst dokumentarischen Charakter. Die hier ausgestellten Arbeiten sind aber geprägt von subjektiver Wahrnehmung, vom persönlichen Blick. Es sind „gestaltete“ Bilder der Realität .
Lisa Endriss’ und Petra Gerschners Fotoprojekt „Intentional Entrances“ liegt eine systematische Vorgehensweise zugrunde. Sie haben 1997 Foyers von New Yorker Galerien fotografiert und hiermit, verbunden mit Interviews von Galeristen und Künstlern, eine deutliche Aussage zum Betriebssystem Kunst getroffen. Die Empfangssituationen der Galerien sind zum größten Teil repräsentativ gestaltet. Sie laden einerseits zur Kunst ein, schaffen aber durch die „edle“ Inszenierung auch Distanz zum Besucher. Es gilt, diese Grenze zu überwinden, um die Kunst betrachten zu können. Die großformatigen, quadratischen Aufnahmen zeigen einen Querschnitt durch die New Yorker Galerienszene, von alteingesessenen und international renommierten Institutionen wie Holly Solomon oder Tony Shafrazi über Trendsetter der 90er-Jahre wie Pierogi 2000 in Williamsburg bis hin zu Non-Profit-Organisationen wie Art Resources Transfer von Bill Bartman in Chelsea. Die Fotos der Foyers, in denen Menschen meist nur angeschnitten oder klein und undeutlich hinter hohen Theken oder gar nicht zu sehen sind, zeigen wie ähnlich die Auffassung von Repräsentation ist – mit Ausnahme der Non Profit-Galerie, wo der Mensch, nicht der Kommerz, im Mittelunkt steht und ein lebendiges Umfeld zugelassen wird.
Peter Dressler geht ganz anders vor. In seinen Farbfotografien aus der Serie „In unmittelbarer Nähe“ (2003) fließen Aspekte des Privaten und Öffentlichen ineinander. Aufgenommen wurden sie in der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste in Wien, wo sie auch erstmals ausgestellt wurden. Die Fotos zeigen Dressler als Akteur. Gekleidet in Livrée kommuniziert er mit den Bildern, untersucht, kuratiert, pflegt, „restauriert“ sie, zeigt Verlangen, sie zu berühren, stellt eine „erotische“ Beziehung zu den Rubens-Schönheiten her. „Peter Dressler entwickelt sich auf seinen Fotografien als Figur, die in öffentlichen Räumen lebt, als seien sie seine privaten Gemächer oder im Privaten, als sei er bei sich zu Hause eine öffentliche Person. Das Scharnier dieser Umkehrung ist das Museum, die Sammlung oder ihre moderne Version – das Kaufhaus.
Wenn Peter Dressler sich also auf die Refugien einer vergangenen Repräsentationsfigur bezieht, macht er sich – als Modell vor seiner eigenen Kamera – ganz bewusst auch zur Hülle einer verschwundenen Größe. Er wirkt in seiner Umgebung wie ein deplatzierter Besucher... Er nimmt die Tatsache, dass er als ansprechbares Gegenüber offenbar vergessen wurde, mit Humor... und sucht Unterhaltung bei seinen Leidensgenossen, den Schönen in der Malerei, den Möbeln in der Wohnung oder den Waren im Regal...“ (Roberto Ohrt, in: „Ex In. Öffentlich/Privat“. Vol. I, Salzburg 2004).
Wolfgang Thalers Farbfotografien öffentlicher Innenräume sind Teil der Serie „Mep’ Yuk – Die Zentrale“. Es sind stille Bilder von menschenleeren Räumen in Firmen, Verwalstungs- und Bürogebäuden oder anderen öffentlichen Institutionen überall auf der Welt. Der Verzicht auf Menschen verstärkt die Konzentration des Blicks auf den Raum. „Mep’ Yuk“, ein imaginärer, assoziationsreicher Name, der sich geografisch nicht zuordnen lässt, steht als Überbegriff über dieser Sammlung von innenraum-Bildern. Immer neue Bilder können dieser „Zentrale“ zugeordnet werden, bis ein riesiges Bauwerk oder eine ganze Stadt errichtet ist, sinnbildlich für die globalisierte Welt stehend. Die von Thaler fotografierten Innenräume öffentlicher Gebäude sind „Zwischenräume“. Diese Innenräume erfüllen überall auf der Welt Funktionen der Vermittlung, dienen als Durchgangs- und Warteräume, Foyers oder Vermittlungsstellen. Sie sind, ohne auf individuelle Bedürfnisse Rücksicht nehmen zu können, sozusagen nach einem größtmöglichen gemeinsamen Nenner – eventuell noch der Kultur des jeweiligen Landes Rechnung tragend – gestaltet. Die dadurch entstehende Atmosphäre hat utopisch-phantastischen Charakter, ebenso wie das Gesamtbauwerk „Mep’ Yuk“.

 
 
1) Peter Dressler, aus der Serie "In unmittelbarer Nähe / Encourage immédiat", 2003, C-Print, 60 x 51 cm
2) Lisa Endriss und Petra Gerschner, aus der Serie "Intentional Entrances – Holly Solomon Gallery / N.Y", 1997, C-Print auf Plexi/Alucubond, 100 x 100 cm
3) Lisa Endriss und Petra Gerschner, aus der Serie "Intentional Entrances – Tony Shafrazi Gallery / N.Y", 1997, C-Print auf Plexi/Alucubond, 100 x 100 cm
4) Wolfgang Thaler, Ohne Titel, aus "Mep'Yuk – Die Zentrale", C-Print, 50 x 40 cm
 
 
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